Nach vielen Jahren in denen wir quasi jedes Jahr wie alle anderen auf Mallorca waren und der Corona- Zwangspause, stellten wir uns für das Jahr 2023 die Frage, ob es nicht noch etwas anderes gibt. Nach kurzen googeln und ein paar YouTube Filmen stand die Entscheidung fest.
Ein Radtrainingslager im Frühling an der Costa Blanca (Spanien) bietet scheinbar eine ideale Möglichkeiten für Radfahrer, während sie die atemberaubende Landschaft und das angenehme Klima genießen. Die Region ist bekannt für ihr mildes Wetter, malerische Küstenstraßen und anspruchsvolle Bergstrecken, die sich perfekt für intensive Trainingseinheiten eignen.
Ankunft und Unterkunft
Die meisten Radfahrer reisen über den Flughafen Alicante an, der nur eine kurze Fahrt von den beliebtesten Radfahrerorten wie Calpe, Altea und Benidorm entfernt liegt. Unterkünfte reichen von einfachen Pensionen bis hin zu luxuriösen Hotels und spezialisierten Radfahrerhotels, die oft zusätzliche Annehmlichkeiten wie Fahrradkeller, Werkstätten und Ernährungsberatung anbieten. Viele Hotels arbeiten eng mit lokalen Radreiseveranstaltern und Radverleihern zusammen, um geführte Touren und Unterstützung für ihre Gäste zu organisieren.
Wir wohnten im Cap Negret in Altea. (Das Beitragsfoto war übrigens der Ausblick von unserem Balkon.) Dieses Hotel wirbt damit, dass es sich auf die Radfahrer spezialisiert hat. Es hat z.B. einen großen Radkeller mit Montageständern und Werkzeug. Das Buffet ist gut und gesund und es hat auch niemand etwas dagegen, wenn man sein Rad lieber mit auf dem Zimmer hat. In Summe war es als Hotel schon cool und sicher für die Gegend eine Besonderheit. Es war aber auch nichts, was wir nicht auch schon von den radfreundlicheren Hotels zwischen Alcudia und Can Picafort gewohnt waren.
Trainingsrouten und Landschaft
Die Costa Blanca bietet eine Vielzahl von Routen, die sowohl für Anfänger als auch für erfahrene Radfahrer geeignet sind. Flache Küstenstraßen bieten perfekte Bedingungen für Ausdauertraining und Erholungstouren, jedoch ist hier die Auswahl der Straßen ein wenig begrenzt. Das gebirgige Hinterland hält dagegen jede Menge anspruchsvolle Anstiege und Abfahrten bereit. Beliebte Routen führen durch malerische Dörfer wie Guadalest und Polop, oder entlang der spektakulären Bergstraßen zum Coll de Rates (625m), dem Port de Tudons (1025m) und dem Sierra de Aitana, die atemberaubende Ausblicke auf die Mittelmeerküste bieten. Nicht umsonst ist die Gegend auch immer wieder Teil der Vuelta.
Tägliche Trainingsroutine
Ein typischer Tag im Trainingslager beginnt mit einem herzhaften Frühstück, um die Energiespeicher für die bevorstehenden Fahrten zu füllen. Hier besonders wichtig, da man es an der Costa Blanca, wie schon beschrieben, auch immer mit Höhenmetern zu tun hat. Es empfiehlt sich daher auch ein wenig planvoll an das Trainingslager, bzw. den Radurlaub heran zu gehen. Die Gegend ist aus meiner Sicht nicht gerade geeignet mal einfach drauflos zu fahren. Schnell hat man entweder zu viel Anspruch oder fährt nur die Küstenstraße auf und ab, weil man die Tage zuvor schon zu viel gemacht hat. Auch wenn ich immer empfehle sich genug Nahrung und Getränk mit zu nehmen, findet man aber immer etwas zum Einkehren, auch wenn die Suche manchmal ein kleines bisschen länger dauert.
Erholung und Freizeit
Nach den anstrengenden Trainingseinheiten ist Erholung von entscheidender Bedeutung und nicht nur an den Ruhetagen braucht der typische Radfahrer seinen Café con Leche. Sowohl Calpe, als auch Benidorn und auch Altea verfügen über schöne Uferpromenaden mit diversen Cafés und Restaurants. Ich fand aber Calpe und die Hochhaus- Schluchten von Benidorn ein wenig überlaufen. Einzig Altea schien ein wenig von den massenhaften Bausünden der 60er Jahre verschont geblieben zu sein und verfügt über eine malerische Altstadt in der man gerne auch mal eine ganzen Nachmittag verbringen kann. Diese befindet sich auf einem Hügel, auf dessen höchsten Punkt eine sehr sehenswerte Kirche ragt. Alles in Allem findet man aber eher Ruhe im Hinterland. Wer also an den Tagen ohne Rad auch nach Ruhe strebt, braucht entweder einen Mietwagen oder muss im Hotel bleiben.
Klima
Das Klima an der Costa Blanca im Frühling ist nahezu perfekt für Radsportler. Mit Temperaturen die Ende Februar schon zwischen 15 und 25 Grad Celsius betragen und geringer Regenwahrscheinlichkeit können die Radler lange Stunden im Freien verbringen, ohne sich um extreme Hitze oder Kälte sorgen zu müssen. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Wir waren Anfang März 2023 dort und wie uns auch die Einheimischen bestätigten, war es ungewöhnlich warm. Wir hatten Temperaturen wie im deutschen Hochsommer.
Fazit
Ein Radtrainingslager im Frühling an der Costa Blanca kombiniert intensive Trainingsmöglichkeiten mit herrlicher Landschaft und idealen klimatischen Bedingungen. Allerdings ist es speziell im Vergleich zu Mallorca eher ein Trainingslager im Gebirge. Wer also seine Zeit auf Malle sowieso immer nur im Tramuntana verbringt oder in der Wintersaison schon 3000 – 4000km in Watopia verbracht hat, kann auch gern mal hier hin fliegen. Nicht umsonst ist es auch ein Standart Trainingsgebiet vieler Profis im Frühling. Wer jedoch erst den Winterspeck los werden möchte und ein wenig in das Jahr reinkommen will, der sollte die Costa Blanca vielleicht zum Jahresausklang im Herbst besuchen.
