Grödner Joch (2121m)
Grödner Joch (2121m)

Grödner Joch (2121m)

Das Grödner Joch – auf Italienisch Passo Gardena – ist für Radfahrer weit mehr als nur ein Alpenpass. Es ist ein Erlebnis zwischen Schmerz, Panorama und purer Euphorie. Darum ist es nun schon traditionell die erste Ausfahrt nach der Ankunft in Corvara. Es löst bei mir nach der langen Anreise immer dieses „Jetzt bin ich endlich da“ – Gefühl aus und meist bleibt es auch nicht bei dieser einen Auffahrt im Laufe eines Trainingslagers.

Je nachdem von welcher Seite man hochfährt (Wolkenstein oder Corvara) erwarten dich gleichmäßige, aber fordernde Steigungen um die 5-6% (in der Spitze 8–10 %). Die Ostseite von Corvara ist die etwas kürzere aber dafür etwas steiler, als die Westseite von Wolkenstein. Viele kennen aber nur die obere Hälfte der Wolkensteiner Seite als Teil der Sellaronda, wenn sie von der Abfahrt vom Sellajoch kommen und an der Kreuzung vor Wolkenstein rechts abbiegen um das Grödnerjoch zu erklimmen. Die Straße windet sich auf beiden Seiten in sauberen Kehren nach oben, der Asphalt ist meist hervorragend, und der Verkehr hält sich – außerhalb der Hochsaison – in Grenzen. Nur die in den Dolomiten obligatorischen Motorräder sind allgegenwärtig.

Mit jedem Höhenmeter öffnen sich die Dolomiten: schroffe Felswände, grüne Almwiesen, darüber ein weiter Himmel. Besonders der Blick auf das imposante Sellamassiv sorgt für Gänsehaut – selbst wenn die Beine längst brennen. Das Foto zeigt den Blick vom Pass in Richtung Corvara.

Auf der Passhöhe angekommen mischt sich Erleichterung mit Stolz. Man steht zwischen Felsgiganten, das Rad lehnt am Passschild, der Puls hämmert – und gleichzeitig ist da dieses Gefühl, Teil der Landschaft geworden zu sein. Interessanterweise hat das Schild auf der Passhöhe keine Höhenangabe und die Angaben online variieren von 2110m bis 2136m, wobei die meisten 2121m sagen, weshalb ich auch davon ausgehe. Meine eigenen „Messungen“ mit Garmin liegen aber immer knapp unter dieser Höhe.

Die Abfahrt? Schnell, technisch sauber fahrbar, mit weiten Kurven und grandioser Kulisse. Dennoch muss man aufpassen. Die wenigen engen Kurven folgen meist den längeren Geraden, aus denen man auch mit relativ hoher Geschwindigkeit kommt. (Oder vielleicht fühlen sich diese Kurven auch nur eng an, weil man so schnell auf sie zukommt.)

Für viele Rennradfahrer ist das Grödner Joch ein Klassiker der Dolomitenrunde – anspruchsvoll, aber fair. Kein brutaler Monsterpass, sondern einer, der dich arbeiten lässt und dich dafür mit einem der schönsten Alpenpanoramen belohnt.