Nordfrankreich im Frühling – Paris – Roubaix Challenge 2026
Nordfrankreich im Frühling – Paris – Roubaix Challenge 2026

Nordfrankreich im Frühling – Paris – Roubaix Challenge 2026

Zunächst etwas Vorgeschichte. Wer den Blog hier verfolgt wird bemerken, dass ich zu Wettkämpfen 2024 und 2025 nicht viel geschrieben hab. Der Grund ist schnell erzählt.

2024 habe ich einfach mal ein Jahr ausgesetzt was Events angeht. Ich hatte einfach mehr Lust, ohne Ziel und Druck etwas Rad zu fahren. Ich war viel mit den MTBs unterwegs, sowohl in den benachbarten Wäldern mit dem XC als auch am Keilberg mit dem Enduro. Aber auch das Rennrad kam nicht zu kurz. Dabei gab es sowohl einige nette Touren im Freundeskreis als auch eine Woche Corvara.

Im Februar 2025 bahnte sich dann „großes“ an. Ich bekam einen Startplatz für den Ötztaler. Das Jahr bis zum Event Ende August war geprägt von intensivem, strukturiertem Training. Dieses endete mit einem 2-wöchigem Trainingslager/ Urlaub in den Alpen, dessen Höhepunkt das Event sein sollte. Leider war aber der Höhepunkt das umknicken meines Knöchels und der Sturz auf die Straße vor dem Bäcker in St. Valentin, genau eine Woche vor dem Ötztaler. Nichts desto trotz bin ich am folgenden Samstag gestartet, musste mir aber am Brenner eingestehen, dass ich mit dem Knöchel nicht mehr über den Jaufenpass und das Timmelsjoch komme. Zur persönlichen Wiedergutmachung und zum „Krönchen gerade rücken“ bin ich eine Woche später dann kurzentschlossen das Velofondo (24h Rennen) auf dem Lausitzring gefahren. Der Knöchel war 2 Wochen nach dem Sturz, sagen wir mal, bei 80 – 90%, Form war da und Berge gibt es auch nicht wirklich auf dem Lausitzring, welche den Knöchel wieder hätten überlasten können.

Warum erzähle ich das? Diese beiden Jahre haben eigentlich den Ausschlag gegeben, mir für 2026 einen Frühjahrsklassiker als Jahreshöhepunkt auszusuchen. 2024 war ein tolles, spaßiges Jahr einfach mal nur Radfahren ohne Druck. 2025 war das Gegenteil. Strukturiert, effizient und durch getaktet, bis ich fast schon keine Lust mehr auf mein Rennrad hatte. Ich brauche beides, eben die Möhre vor mir und den Stock hinter mir, aber in den beiden Jahren hat halt immer was gefehlt. In der Weihnachtszeit 2025 habe ich auf mein sportliches Jahr zurückgeblickt und kam auf diese Idee. Wenn ich einen Frühjahrsklassiker nehme, würde mich das über die Motivations- Tiefs im Winter bringen und dann ist auch der Höhepunkt bei Zeiten im Jahr durch und ich kann mich mal wieder „einfach so“ aufs Rad setzen.

Und mit welchem Klassiker könnte man das besser angehen als mit der „Königin der Klassiker“, der „Hölle des Nordens“ – Paris – Roubaix. Für die, die noch nicht wissen was diese Entscheidung bedeutet, hier der Link zum Wikipedia Eintrag. Für uns Jedermänner und -frauen gibt es die Paris – Roubaix Challenge mit 3 verschiedenen Streckenlängen.

Ich habe mich für die Mittlere entschieden. 145km mit 19 Kopfsteinpflaster Sektoren (Pavés) inklusive allen 3 Sektoren mit 5 Sternen, was die schlimmste, bzw. härteste Kategorie bedeutet. Um sich vorstellen zu können was das bedeutet: Das schlimmste Kopfsteinpflaster was man in Deutschland findet, z.B. auf einer alten Verbindungsstraße zwischen 2 Dörfern in Sachsen-Anhalt (oder der Stadtweg in Magdeburg/Ottersleben wo ich aufgewachsen bin) hätte in diesem Kontext max. 3 Sterne. 4 Sterne und mehr wären in Deutschland gesperrt und für nicht befahrbar erklärt. 1 Stern ist immer noch schlechter als der Chemnitzer Marktplatz.

In dem Moment als ich mich angemeldet habe, zeigte mir die Seite des Veranstalters an „Deine Challenge beginnt in 103 Tagen“. Das brachte mich spontan auf die Idee eine 100-Tage-Trainingschallenge daraus zu machen. Also einen Trainingsplan aufgestellt und los. Und es lief richtig gut, nicht zuletzt auch dank vieler erlernter Dinge über moderne Trainingsmethodik, welche ich mir auch im letzten Jahr angeeignet hatte. War ja nicht alles schlecht in 2025 😉. Einiges davon wurde sogar noch während der 100 Tage verfeinert und Fehler des letzten Jahres korrigiert. Am Ende standen ca. 2200 Trainings – km auf der Uhr inkl. allem was dazu gehört. Resultat: Ich war am 11.04. unverletzt und auf einem Fitnessstand wie am Tag des Ötzis. Rückblickend muss ich aber auch sagen, dass es für mich nicht weniger hätte sein dürfen, weil so konnte ich das ganze genießen und alles andere wäre Quälerei geworden.

Aber wie ist es nun wirklich diese Pavés zu fahren. YouTube ist voll mit Leuten die versuchen es rüberzubringen. Im Nachgang muss ich sagen, dass es niemand so wirklich geschafft hat, weil es auch irgendwie nicht geht. Man weiß es eben nur wirklich wenn man es erlebt hat. Den geistigen und körperlichen Anspruch möchte ich mal so beschreiben: Stell Dir vor du fährst für 150km sehr zügig auf einer Straße mit sehr unregelmäßigen Bremsschwellen, bei denen du nicht abbremsen darfst. Währenddessen verprügelt Dich permanent jemand mit einer Poolnudel und jemand anderes bewirft dich andauernd mit Tennisbällen.

Unser Wetter war im Grunde toll. Es war trocken und nicht zu warm. Ich kann mir jetzt beim besten Willen nicht vorstellen ein 4 oder 5 Sterne Pavé bei Nässe zu fahren. Auch wenn der Wind relativ stark war, war er aufgrund der Streckenführung Fluch und Segen zugleich. In einem Moment kommt er von der Seite und schiebt dich von der Kuppe des Pavés herunter, plötzlich kommt eine 90° Kurve und man hat einen Raketenantrieb in Form von 35km/h Rückenwind. Aber natürlich gab es auch das Gegenteil, Gegenwind – Abschnitte auf denen man dann wieder froh war, dass das Event sooooo viele Teilnehmer hat, dass jeder irgendwen für den Windschatten findet.

Aber genau das macht diese Event auch zu einen 145km Intervalltraining. Es ging los mit ca. 50km auf Asphalt im Gegenwind. Da jeder wusste was dann folgt, waren alle irgendwie in einer komischen Stimmung. Möglichst viele Körner sparen, aber auch möglichst nicht soviel Zeit verlieren. Darum funktionierten die Gruppen immer nur für kurze Zeit, ergo fuhr man Intervalle zwischen 80 und 250Watt, was am Ende das Gegenteil bewirkte. Aber dann begann die Show erst so richtig. Unser erster Sektor war gleich der Wald von Arenberg. Die Mutter aller Sektoren. 2,4km mit 5 Sternen die im Vergleich eigentlich 7 sein müssten.

Darum an der Stelle schon das erste Zwischenfazit für alle die das auch mal fahren wollen: Danach wird es besser, außer dass man immer müder wird.

Dieser erste sehr, sehr harte Sektor sorgte aber auch für eine sehr steil ansteigende Lernkurve bei uns allen, dazu wie man am besten drüber kommt.

  • nicht zu langsam
  • großes Blatt, immer Zug auf der Kette, 70er bis 80er Frequenz, sonst fliegt die Kette runter
  • Mitte oder ganz am Rand
  • Griffposition und Gang vorher klar machen (schalten auf dem Pavé geht nur sehr bedingt)

Nach jedem Pavé folgte ein kleiner Zwischensprint um seine Gruppe für das folgende Asphaltstück zu bekommen. (Manchmal nach einem kurzen Stop.) Ich habe später meist vor den Pavés etwas Tempo heraus genommen und meine Gruppe mit der ich zwischen den Pavés unterwegs war, ziehen lassen. Anderenfalls steckt man auch mal im Verkehr fest und kann nicht mal einfach so die Linie frei wählen oder wird ausgebremst. Was den Verkehr angeht muss man auch immer daran denken, dass auch noch die Gravel- und Mountainbiker welche man auf dem Asphaltstück zuvor überholt hatte, von hinten (meist rücksichtslos) angeschossen kommen.

Am Ende muss ich sagen es war ein tolles Erlebnis was ich nur empfehlen kann. Aber es war auch hart, sehr hart. Jetzt haben wir den Dienstag danach und ich merke es noch immer in den Muskeln. Ob ich es nochmal brauche kann ich noch garnicht sagen, ich denke aber nicht (hat sich aber in den letzten 2 Tagen schon relativiert von anfänglich „auf keinen Fall 😏“).

Mein Rad hat auch perfekt funktioniert, keinen Platten, keine verlorene Flasche und alle Teile sind noch fest und da wo sie hingehören. Zum Thema Technik werde aber ich in den nächsten Tagen mal einen eigenen Beitrag machen, da dieser hier schon ziemlich lang geworden ist.